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Drei Generationen jüdischer Familien- und Fluchtgeschichte in einer bewegenden Graphic Novel.

Tschernowitz, auch bekannt als Klein-Wien, ist eine Stadt im Südwesten der Ukraine. Im Laufe ihrer bewegten Geschichte gehörte sie zum Fürstentum Moldau, zur Donaumonarchie, zweimal zu Rumänien und zweimal zur Sowjetunion. Ein großer Teil der Bevölkerung, bis zu 40 %, war jüdisch. Darunter die Mechners, deren Geschichte in den Erinnerungen von Jordan Mechner, seinem Großvater und seinem Vater hier zur Jahrhundertwende ihren Anfang nimmt.

echselvolle Geschichte der nationalen Zugehörigkeit Tschernowitz’ wird dabei zur Blaupause für die drei Generationen Familiengeschichte der Mechners. Kuba, Frankreich, USA und wieder Frankreich – die Wirren zweier Kriege und der Nazi-Terror zerreißen die Familien, zwingen sie in Einzelteilen ihre je eigenen Fluchtgeschichten zu schreiben, ihren je eigenen Überlebenskampf zu führen. Auch das Leben des Game Designers Mechner, Entwickler des Videospiels „Prince of Persia“ und erster Drehbuchautor dessen Verfilmung, ist von Erfahrungen der Trennung und Entwurzelung geprägt. Doch bei allen Beziehungsnöten und wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist sein Kampf zu seinem Glück keiner ums nackte Überleben, sondern zuvorderst ein Ringen um das Bewahren der Familienhistorie. Die umfangreichen Memoiren des Großvaters, die lebendigen Erinnerungen des Vaters, beide namens Adolf, sind dafür neben der eigenen Geschichte seine wichtigsten Quellen.

Die Erzählung folgt keiner Chronologie, vielmehr springt sie assoziativ zwischen den Jahren 1897 und 2019 hin und her, knüpft Verbindungen über Generationen hinweg, flicht ihre eigene Entstehungsgeschichte in das Patchwork ein. Zerrissenheit und Entwurzelung, die Urerfahrungen der drei Generationen der Mechners, bekommen derart ebenso ihre strukturelle Repräsentation wie das, was über alle Jahre und Kontinente hinweg das (einzig) Verbindende ist: Familie.

Die unwahrscheinlichsten Fügungen entscheiden über Leben und Tod: Einmal rettet den Großvater eine Entdeckung auf dem Dachboden, wo ein Bild verstaubt von einem gewissen A. Hitler. Er erkauft sich damit das eine Mal Wegsehen der judenvernichtenden Schreckensherrschaft, das ihm genügt, um außer Landes zu gelangen. Sein Vater schafft die Grundlagen seines erwachsenen Wirkens als Psychotherapeut mitten im Krieg. Als Zehnjähriger gerät er in einen Luftkampf und erkennt: Sein Leben hängt nun an einem Münzwurf des Schicksals, er hat absolut nichts mehr selbst in der Hand. Er beschließt daraufhin, sich als tot zu betrachten, und überwindet so seine Todesangst, denn Tote haben nichts zu befürchten.

Jordan Mechner macht aus 120 Jahren Familien- und Fluchtgeschichte ein eindringliches, bewegendes und bewegtes Panorama, das längst erloschene Stimmen wieder lebendig macht und auch dadurch verdeutlicht: Wir sind alles, was war, was ist und was sein wird. Wirklichkeit findet statt – zu jeder Zeit.

https://www.textmaker.at/post/tote-haben-nichts-zu-bef%C3%BCrchten